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EinBlick - Der Newsletter der Fakultät Soziales und Gesundheit

Hier finden Sie sowohl den aktuellen Newsletter der Fakultät Soziales und Gesundheit als auch das Archiv. Alle Newsletter stehen zum Download im Pdf-Format zur Verfügung.

An- bzw. Abmeldungen, Änderungen Ihrer Kontaktdaten sowie inhaltliche Anfragen richten Sie bitte per E-Mail an newsletter-sg_at_start(at)atendhs-kemptendotstart._dot_endde.

Ausgabe I im Januar 2013

Ausgabe II im Juli 2013

Ausgabe III im Januar 2014

Ausgabe IV im Juli 2014

Ausgabe V im Januar 2015

Ausgabe VI im Juli 2015

Ausgabe VII im Januar 2016

Ausgabe VIII im Juli 2016

Ausgabe IX im Januar 2017

Ausgabe X im Juli 2017

 

 

Ein Blick auf den EinBlick

von Michael Ohnewald (Journalist und Dozent)

Es wird derzeit viel über die Zukunft des Journalismus geredet. Manche läuten auch schon das Totenglöcklein. Das ist vielleicht ein bisschen früh. Tatsache ist: Journalismus verändert sich. Früher war er notwendig, weil es einen Mangel an Informationen gab. Heute ist Journalismus notwendig, weil es eine zu große Fülle von Informationen gibt. „Früher hatten Journalisten ein kleines Rinnsal zu betreuen“, sagt der Medien-Professor Walter Hömberg. „Heute ist es ein breiter Strom, der in vernünftige Bahnen gelenkt werden muss.“

Dieser Strom fließt immer schneller. Das wird einem als Journalist bewusst, wenn man zurückblickt, gar nicht mal so lange. Napoleons Tod auf St. Helena  am 5. Mai 1821 wurde in der „Londoner Times“ als erster Zeitung zwei Monate später gemeldet. Die Zeitungen in Berlin druckten die „Times“-Meldung weitere zehn Tage später nach. Die Meldung über Mahatma Gandhis Tod lief 1948 schon wenige Minuten nach dem Schuss des Attentäters in allen Orten der Erde ein. Sie gilt als das klassische Beispiel moderner Nachrichtentechnik.

Und heute? Da stehen Journalisten zunehmend unter dem Diktat der Beschleunigung. Honoré Daumier hat im 19. Jahrhundert eine Karikatur gezeichnet, in der eine Zeitungshändlerin eine druckfrische Ausgabe anbietet. Der Mann beschwert sich mit den Worten: „Madame, ich habe ihr Journal gekauft, und ich finde nicht die neuesten Nachrichten von heute!“ Daraufhin erwidert die Zeitungsverkäuferin: „Mein Herr, die Nachrichten von heute, die waren schon im Journal von gestern.“

Inzwischen sind wir Heutigen dabei, uns redaktionell selbst zu überholen. Alles muss kurz sein, leicht verdaulich und natürlich smartphone-afin. Vor diesem Hintergrund ist der Newsletter der Fakultät Soziales und Gesundheit der Hochschule Kempten ein Werk, das nicht dem Mainstream folgt, sondern sich Raum gibt für Stücke, die ein bisschen tiefer gehen als die üblichen Häppchen. Das ist gut so. Man darf durchaus mal 66 Zeilen für Studien rund um den Pflegenotstand in dieser Republik verwenden oder auch dafür, neue Studiengänge im Bereich Gesundheit und Generationen vorzustellen. Würde man eine Leserbefragung zum Newsletter machen, hätten vermutlich die Kurzporträts der Dozenten und Profs die größte Trefferquote. Die könnten im Einzelfall durchaus noch ein wenig persönlicher abgefasst sein. Was prägt Frau Müller und Herrn Zinsmeister, und wie wollen sie selbst prägen? Das darf durchaus in einem Porträt stehen, ohne Angst haben zu müssen, zu viel von sich preis zu geben. Und wo wir schon bei den Anmerkungen sind: Die Texte im „EinBlick“ sind durchaus lesenswert, allerdings würde man sich als geneigter Leser manchmal einen kurzen Vorspann wünschen. Dann weiß man sofort, worum es geht und kann sich entscheiden, ob man sich für dieses Thema interessiert.

Ansonsten würde ich raten, weiter ein publizistisches Widerstandsnest zu bleiben und den Mut zur eigenen Publikation mit eigenen Schwerpunkten zu haben. Chad Kings gibt es schließlich schon genug. Was, Sie kennen nicht Chad King? Zum Glück! Chad King ist der Name eines freien Journalisten, der überall im Großraum Houston vor Ort und ganz nah bei den Menschen war. Der omnipräsente Lokaljournalist belieferte die Lokalseiten  des Webangebots der angesehenenTageszeitung Houston Chronicle. Es gab nur ein Problem mit dem fleißigen Lokalreporter Chad King: Er hat nie existiert.

Chad King ist das Signum eines anonymen Mitarbeiters des amerikanischen Nachrichtendienstleisters Journatic, der über Jahre hinweg große amerikanische Verlage mit lokalen Texten belieferte, darunter auch die Chicago Tribune und den San Francisco Chronicle. Wie man inzwischen weiß, hat der Dienstleister Journatic rund 140 Mitarbeiter auf den Philippinen beschäftigt, die einen Großteil der Lokalnachrichten lieferten. Die Billig-Arbeitskräfte durchforsteten dazu Polizeiberichte, Amtsblätter, Sporttabellen und Studienergebnisse ebenso wie Pressemitteilungen. Was sie in Manila zusammenpinselten, wurde von Muttersprachlern in Form gebracht und an die großen Verlage in die USA geliefert. Und zwar für Preise zwischen 2 und 12 Dollar pro Text. Dass dabei schon mal Zitate erfunden wurden und Texte von Autoren abgeschrieben, sei nur am Rande erwähnt. Nach dieser Art von Kikeriki-Journalismus, verehrte Schreiber-Kollegen, kräht kein Hahn. Inzwischen ist Chad King aufgeflogen. Tatsächlich konnte er sich nur deshalb entfalten, weil der Journalismus heute mehr nach Umsatz giert denn nach Grundsatz. In diesem Sinne: Haltet euch weiter aufrecht, liebe Redaktion von „EinBlick“.

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Schattenwurf